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Proceedings of the XXIII World Congress of Philosophy

Volume 69, 2018

Political Philosophy

Roberta Pasquarè
Pages 473-478

Die Harmonie der Antike und der Antagonismus der Moderne
Das antityrannische Denken im Wandel

In diesem Beitrag soll systematisch untersucht werden, wie in der Moderne der Begriff der Tyrannis umgedeutet wird, und wie die moderne Auffassung der Tyrannis mit der Aufwertung des Antagonismus zusammenhängt. Von der Antike bis zum Spätmittelalter wird die tyrannische Herrschaft über die durch sie selbst herbeigeführte Auflösung des Staates definiert: Als tyrannisch gilt die Regierung, die jene in der Antike als normativ gesetzte und im Mittelalter als gottgegeben aufgefasste Harmonie des Gemeinwesens zerstört. In der Moderne gelten dagegen alle Regierungen als tyrannisch, die das Individuum bei oder gar in der Entfaltung seiner Talente und Eigenschaften hindern. Diese neue Begriffsbestimmung gründet auf die Aufwertung der Antagonismen als Bestandteile der menschlichen Natur und zugleich als Triebfeder des staatsrechtlichen Fortschritts. Die neuzeitliche Aufwertung der Antagonismen und das mit ihm zusammenhängende Primat der individuellen Freiheit haben zur Folge, dass vom Staat die Fähigkeit gefordert wird, die aus der Entfaltung der individuellen Freiheit entstehenden Antagonismen anzuerkennen. Erst in der Moderne wird nämlich der Anspruch zur Geltung gebracht, einen staatsrechtlichen Raum zu gestalten, der Antagonismen ohne Schmälerung der individuellen Freiheit zu regeln vermag.

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