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Proceedings of the XXIII World Congress of Philosophy

Volume 69, 2018

Political Philosophy

Nazile Kalaycı
Pages 465-472

Die Öffentlichkeitsfunktion des Chors in der antiken Tragödie

Die Idee einer rationalen Öffentlichkeit, die als Bedingung jeder repräsentativen Demokratie gilt, wird heute einer immer heftiger werdenden Kritik unterzogen, sodass für eine Neu-Organisation des Gesellschaftslebens eine neue Idee der Öffentlichkeit notwendig geworden ist. Statt bzw. neben einem homogenen Öffentlichkeitsbegriff, der auf dem Staatsbürger beruht, sollte durchaus die Möglichkeit einer auf Multitude beruhenden kollektiven Öffentlichkeit untersucht werden, was auch zur Diskussion hinsichtlich einer „absoluten Demokratie“ beitragen könnte. In diesem Beitrag wird, ausgehend von der Antigone des Sophokles, die Funktion des Chors in der klassischen Tragödie behandelt und in Erwägung gezogen, inwieweit diese Funktion für die Entwicklung einer neuen Idee der Öffentlichkeit fruchtbar gemacht werden könnte. Dabei soll ersichtlich werden, dass eine solche Untersuchung des Chors mit all seiner Betonung des Konflikts, der Unbestimmtheit, der Kontingenz, gewisse Möglichkeiten in sich birgt, ein Verständnis der Politik zu transformieren, das auf Leitbegriffen wie Konsens, Ordnung, Notwendigkeit beruht und meist in Herrschaft endet. Ein von den heutigen Bedingungen ausgehender Ansatz zur Untersuchung der Funktion des Chors, dessen tragischer Aspekt in den Werken des Euripides mit Hilfe eines deus ex machina verwischt wurde, kann zu einem Begriff der Politik beitragen, der es ermöglicht, dass sich das Politische und das Tragische treffen und eine poetisch-feminine Idee der Öffentlichkeit entwickelt werden kann. Dieser neue Ansatz einer Untersuchung der Öffentlichkeitsfunktion des antiken Chors und deren Bedeutung für die heutige Politik werden in diesem Beitrag ausgearbeitet.

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