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Proceedings of the XXIII World Congress of Philosophy

Volume 61, 2018

Philosophy of Religion

Markus Wirtz
Pages 195-203
DOI: 10.5840/wcp232018611400

Religiöser Pluralismus als philosophische Herausforderung
Erwägungen im Anschluss an John Hick und Immanuel Kant

Eine der pointiertesten Thesen zur Problematik der religiösen Diversität hat John Hick mit seinem religionstheologischen Pluralismus formuliert. Für Hick teilen die verschiedenen Religionen sowohl den gemeinsamen Ausgangspunkt bei der menschlichen Erlösungsbedürftigkeit als auch die Bezugnahme auf eine als solche unerkennbare transzendente Realität, die Hick als „The Real“ bezeichnet. Für die Differenzierung zwischen den kulturell divergierenden Religionsformen und der transzendenten Wirklichkeit des Göttlichen hat Hick methodische Anleihen bei der kantischen Unterscheidung zwischen phänomenaler und noumenaler Sphäre gemacht, die sich aus mehreren Gründen als problematisch erweisen. Der religiös lebende Mensch kann sich die Position des religiösen Pluralismus im Sinne Hicks nicht zu eigen machen, ohne den Wahrheitsanspruch seiner Religion auf eine Weise zu relativieren, die ihre Ausübung nahezu verunmöglicht. Aus diesem Grund ist der religiöse Pluralismus Hicks letztlich nicht dazu geeignet, der kognitiven Herausforderung, die in der Koexistenz divergierender religiöser Wahrheitsansprüche besteht, angemessen zu begegnen. Eine religionsphilosophische Theorie religiöser Pluralität sollte sich demgegenüber von der kantischen Dreiteilung des menschlichen Vernunftvermögens in theoretische und praktische Vernunft sowie Urteilskraft inspirieren lassen und religiöse Positionen zu Welt- und Gottesbildern, ethischen Normen und mystisch-ästhetischen Erlebnissen hinsichtlich ihrer möglichen Konvergenz oder Divergenz analysieren.