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Roczniki Filozoficzne

Volume 63, Issue 2, 2015

Henryk Anzulewicz
Pages 37-58

Scientia mystica sive theologia - Alberts des Grossen Begriff der Mystik

Der Begriff der „Mystik“ wird vorrangig ais eine religiose Kategorie verwendet, deren Sinngehalt im gelaufigen Sprachgebrauch nicht nur unscharf, sondern auch unklar ist. Die Versu- che, den Begriff philosophiehistorisch und interdisziplinar vor dem Hintergrund der Human- und Naturwissenschaften enger zu fassen, potenzieren und polarisieren seine Vieldeutigkeit. Im Gegenteil dazu scheint es, dass die theologischen Reflexionen auf die besonderen Formen der Religiositat, welche unter dem Begriff der Mystik subsumiert werden, am ehesten ein adäquates Verständnis der Frage und der Strategien der Einheit des Menschen mit Gott zu vermitteln imstande sind. Zu den Voraussetzungen eines vertieften Verständnisses gehoren jedoch die Vertrautheit mit den philosophischen und religiösen Traditionen, welche die theoretische Basis und gleichsam das Werkzeug für die mystische Spekulation bereitstellen, sowie die Kenntnis der Modelle einer unio mystica. Die fur das Begriffsverständnis der Mystik maßgeblichen Voraussetzungen sind Gegenstand dieses Beitrags, der sich auf eine Skizze diesbezüglicher Ansichten des Albertus Magnus (f 1280) beschränkt. Dieser, als Begründer der deutschen Dominikanerschule angesehene Universalgelehrte, gilt als der Wegbereiter der rheinischen Mystik, zu deren Exponenten u. a. Dietrich von Freiberg, Meister Eckhart und Heinrich Seuse gerechnet werden. Eine getreue Wiedergabe der Ansichten des Albertus Magnus ist das Ziel dieser Prasentation, die zugleich eine Stimme in der Diskussion sein will, die u. a. von Alois M. Haas, Kurt Ruh, Werner Beierwaltes, Ruedi Imbach, Burkhard Mojsisch, Alain de Libera, Kurt Flasch und Loris Sturlese zum Begriff der dominikanischen Mystik teilweise kontrovers geführt wird.