Grazer Philosophische Studien

Volume 48, 1994

H.W. Enders
Pages 123-164

Epistemische Notationen
Resultate einer Antinomientheorie

Epistemische Notationen ist als Bezeichnung einer Schreibweise wie viele andere in der Philosophie gebräuchlichen Darstellungsmöglichkeiten eine Ausdrucks- und Redeeinführung. Dieselbe steht für eine sprachstufen- und typentheoretische Beschreibungsaltemative, die sowohl mit natürlicher Sprache als auch mit logisch-mathematischen Kalkülen verträglich ist. Vier Merkmale haben besonderes Gewicht: 1. E-Notationen (= Epistemische Notationen) sind wirklichkeitsrepräsentativ; 2. mengentheoretisch; 3. typentheoretisch; 4. sprachstufentheoretisch. Die durch Kombination dieser Charakteristika entstehende „Abstraktionszange" erlaubt es, normalsprachlich nicht faßbare „Interpretationskonstrukte" zu ,,lokalisieren". Die Entstehungsgeschichte der ,,Epistemischen Notationen" ist daher eng mit der Theorie der Antinomienbildung verknüpft. Insofern ist dieser approach auch für antinomientheoretische Untersuchungen besonders geeignet. Die sprachanalytische Verwendbarkeit dieses Ansatzes ist jedoch so allgemein, daß sich damit eine ganze Reihe schwer faßbarer philosophischer Probleme auf neue Weise analysieren lassen. Vor allem sind es Fragen der Bedeutung, Außersprachlichkeit und Selbstbezüglichkeit, die Begriffe wie ,,exakt", „genau" oder „beweisbar" ins Licht einer zwar ungewohnten, aber kritisch befruchtenden Perspektive rücken. Epistemische Notationen sind deshalb ein erster Schritt zu einer realistischeren Einschätzung unserer künftigen philosophischen Möglichkeiten.