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Fichte-Studien

Volume 48, 2020

Fichtes Bildtheorie im Kontext, Teil II

Carsten Olk
Pages 45-66

Fichtes Intellektualisierung der Anschauung
Die Rolle der anschauungskonstituierenden Einbildungskraft mit einem Blick auf Kants Spätwerk

The power of imagination fulfills a special function with respect to particular intuition and to the forms of intuition of space and time a function that exceeds Kant’s deliberations on imagination. Not just the forms themselves, but also their manifold are orignally generated by that capability. While Kant’s theory of experience starts with a given mannifold and shows how the rule-making role of reason provides productive imagination with a way of assimilating that manifold into a unified perspective, Fichte’s philosophy has the productivity of the imagination reaching further as a novel, revealing inheritance. As a fully autonomously proceeding entity, it further devises not only space and time and their constituent diversity, but also simultaneously generates categories without being dependent on the reason that in the B-version of the Critique is necessary for understanding the composition of time and space. When Kant speaks for example in the Opus Postumum under the heading cogitabile ut dabile about the constitution of the manifold, that form of constitutive act is not to be interpreted as an original genesis. Hence the act of constitutive and determinative synthesis has a different meaning in the two systems. Die Einbildungskraft erfullt bei Fichte eine ganz besondere Funktion in Hinblick auf die einzelne Anschauung und die Anschauungsformen von Raum und Zeit, die über die Kantischen Ausführungen zur Einbildungskraft hinausgehen. So werden nicht nur letztere, sondern auch das in Raum und Zeit enthaltene Mannigfaltige ursprünglich durch die Einbildungskraft generiert. Wahrend die Kantische Theorie der Erfahrung ihren Ausgang vom gegebenen Mannigfaltigen nimmt und zeigt, wie der regelgebende Verstand vermittelst der produktiven Einbildungskraft dieses Mannigfaltige zur – stets begriffenen – Einheit der Anschauung konstituiert, reicht die Produktivität der Einbildungskraft in der Philosophie Fichtes als originar welteroffnendes Vermögen also wesentlich weiter. Vollkommen autonom verfahrend entwirft sie ferner nicht nur Raum, Zeit und das darin enthaltene Mannigfaltige, sondern generiert zugleich die Kategorien, ohne – wie speziell in der B–Auflage der Kritik – auf die Regel eines für die Zeit- und Raumkonstitution notwendig vorauszusetzenden Verstandes angewiesen zu sein. Spricht Kant, wie etwa im Opus Postumum vor dem Hintergrund des Gedankens eines cogitabile ut dabile, von der Bestimmung des Mannigfaltigen, dann ist diese Art der Intellektion nicht im Sinne einer ursprüngliche Erzeugung zu verstehen. Der Akt der anschauungserzeugenden und bestimmenden Synthesis hat in beiden Systemen also eine unterschiedliche Bedeutung.

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