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Fichte-Studien

Volume 46, 2018

Das Nichts und das Sein

Saša Josifović
Pages 325-338

Lag Henrich falsch?
Eine Fichte-konforme Interpretation von Holderlins „Urteil und Sein“

Hölderlin’s „Urteil und Sein“ is certainly one of the most intensively discussed fragments in German Idealism. Since Dieter Henrich’s influential interpretation from 1965 it is firmly believed that Urteil und Sein represents a key reference for a unique and „courageous attack“ on Fichte’s principle of philosophy, the „Ich“ of the intellectual intuition. According to Henrich and his followers, Hölderlin argues that the principle of philosophy ought to be „Sein“ instead of „Ich“. In contrast to Henrich, I believe that Urteil und Sein does not contain any kind of critical remarks on Fichte’s philosophy at all. To follow my argumentation, it is only required to avoid the confusion between the content of the intellectual intuition („Ich“) and self-consciousness („Ich bin Ich“). Hölderlins Fragment Urteil und Sein zählt zu den bedeutendsten Dokumenten der klassischen deutschen Philosophie und ist seit Henrichs wirkungsmächtiger Interpretation 1965/66 von nahezu allen namhaften deutschen Idealismusforschern Henrichkonform interpretiert worden. Es gilt als einmalige Referenz für eine ebenso einmalige Kritik am Subjekt als Prinzip der Philosophie – namentlich an Fichtes Prinzip. In diesem Diskussionsbeitrag werfe ich die Frage auf, ob dies wirklich der Fall ist, und vertrete die These, dass in Urteil und Sein keinerlei Kritik an Fichtes Philosophie nachweisbar ist. Meine Argumentation beruht auf der Unterscheidung zwischen dem „Ich“ als gedanklichen Gehalt der intellektuellen Anschauung und dem Selbstbewusstsein als Ausdruck der reflexiven Gewahrwerdens seiner selbst im Bewusstsein, nämlich „Ich bin Ich“.