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Fichte-Studien

Volume 44, 2017

Fichte und seine Zeit

Cristiana Senigaglia
Pages 99-119
DOI: 10.5840/fichte2017449

Philosophie und Politik in Fichtes Analyse der Französischen Revolution

In his early reflections on the French Revolution, Fichte approaches the relationship between its present meaning and its theoretical as well as politico-philosophical relevance. The French Revolution is for Fichte particularly significant, because herewith human rights and the value of the human being in general are placed into the foreground. In his opinion, they are founded on a transcendental conception of freedom, which has also to be achieved in politics. Relating to the contents, freedom, equality, and equal worthiness are asserted on principle. The subjects of this process are the human beings considered as autonomous, self-thinking, and self-judging persons. To participate wittingly in the procedure of affirmation and realization of their rights, they have to become acquainted with the basic aspects of the transcendental method. On the negative side, this method makes it possible to distance oneself from empirical reality, opening the way to free reflection; on the positive side, it provides the setting up and the reviewing of norms on an autonomous, individual, and nonetheless intersubjective as well as cooperative basis. From this perspective, Fichte also reviews the legitimacy of revolutions. He makes clear that (1) the possibility of reforms is not excluded, but it represents a preferable solution for good constitutions, and (2) that human rights are inviolable also in case of revolution. In den frühen Reflexionen Fichtes über die Französische Revolution wird vor allen Dingen das Verhältnis zwischen ihrer Aktualität und ihrer theoretischen sowie philosophisch-politischen Bedeutung thematisiert. Die Französische Revolution erlangt für Fichte eine besondere Bedeutung, weil hiermit die Menschenrechte und der Wert des Menschen überhaupt in den Vordergrund rücken, welche seines Erachtens auf einer transzendentalen Freiheit basieren, die auch in die Politik umgesetzt werden soll. Was die Inhalte angeht, werden die Freiheit, Gleichheit und Gleichwertigkeit der Menschen untereinander prinzipiell behauptet. Die Subjekte dieses Prozesses sind die Menschen als autonome, selbstdenkende und selbst urteilende Wesen. Damit die Menschen bewusst am Verfahren der Behauptung und Verwirklichung ihrer Rechte teilnehmen, liefert Fichte die ersten Ansätze für die transzendentale Methode, welche negativ eine Abstandnahme von der empirischen Wirklichkeit ermöglicht, die die freie Reflexion einleitet, und positiv die Aufstellung von Normen sowie ihren Nachweis auf eine autonome, individuell veranlasste und dennoch intersubjektiv kooperierende Weise erzielt. Unter dieser Perspektive wird von Fichte auch die Rechtmäßigkeit der Revolution überprüft. Es wird klargestellt, (1) dass der Weg der Reformen nicht ausgeschlossen ist, sondern eine bevorzugte Lösung für gute Verfassungen darstellt, und (2) dass die Menschenrechte auch im Fall einer Revolution unantastbar sind.

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