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1. The Proceedings of the Twenty-First World Congress of Philosophy: Volume > 1
Ulrich F. Wodarzik Zwischen Natur- und Sittengesetzlichkeit Objektivität, Leben und Normativität
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Der lebendige Mensch befindet sich immer zwischen Erfahrung und Metaphysik, er ist Natur und Freiheit zugleich. Anders gesagt erfährt sich der von Welt umgebende Mensch als ein freiheitliches Wesen, das unter einem bedingungslosen moralischen Sollensanspruch steht, der an keine Kontingenz geknüpft ist. Betrachten wir die moralische Dimension genauer, so erkennen wir moralischen Pflichten gegenüber uns selbst und anderen als Gebote Gottes.1 Das bewusste Leben selbst gibt uns Zwecke, die wir weder theoretisch noch praktisch auf den Begriff bringen können.2 Kant spricht vom Leben als ein Vermögen, dass einen inneren selbst-bestimmten Anstoß zum praktischen Handeln im Sinne einer inneren Kausalität darstellt. Wir müssen ein naturgemäßes Leben von einem guten Leben unterscheiden. Idealiter gesehen oder im Zustand der Glückseligkeit ist das natürliche und das moralisch gute Leben ein und das selbe.3 Ein natürliches und ein gutes Leben soll der Mensch führen, denn die Natur ermöglicht sittliches Handeln und sittliches Handeln macht natürliches Leben lebenswerter. Kant hat in seiner epochalen Kritik der Urteilkraft ein für alle mal gezeigt, dass nur der Mensch unbedingter Endzweck der Schöpfung ist, nicht als natürliches sondern als ein moralisches Wesen betrachtet, denn »im Menschen, aber auch in diesem nur als Subjekte der Moralität, ist die unbedingte Gesetzgebung in Ansehung der Zwecke anzutreffen, welche ihn also allein fähig macht, ein Endzweck zu sein, dem die ganze Natur teleologisch untergeordnet ist.4« So gesehen ist der Mensch sich eines physikotheologischen Verhältnisses bewusst und muss es aushalten, und es fragt sich wie der Hiatus zwischen Natur und Freiheit zu denken ist.
2. The Proceedings of the Twenty-First World Congress of Philosophy: Volume > 1
Taşkiner Ketenci Der Begriff ,,des Rationalen'' in der Kantischen Ethik
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In der aktuellen Diskussion werden die Begriffe "Vernunft" und "Rationalität" in Frage gestellt. Mit der "Rationalität" einer Handlung, einer Haltung oder einer Organisation bezeichnet man im Allgemeinen den Erfolg bei der Verwirklichung eines bestimmten Zweckes. Die "instrumentale Rationalität" als Grundlage einer Ethik, für die das Nachdenken über den Wert der Zwecke ohne Belang ist, wurde seit jeher heftig kritisiert. Kant verwendet das Wort "rational" in Bezug auf die Bestimmungsgründe des Willens. Nach Kant sind die Bestimmungsgründe des Willens entweder „subjektiv und empirisch" oder „objektiv und rational". Wenn der Wille "rational" bestimmt wird, so hat dies zur Folge, dass die Personen andere Personen nicht nur als Mittel, sondern auch als Zweck behandeln. Also in der Kantische Ethik weist das Wort "rational" auf ein Wesen hin, das selbst ein Zweck ist und deshalb als solcher behandelt werden soll. Schließlich bedeutet in der Kantischen Ethik das Wort "rational" eine "Rationalität" der Zwecke.
3. The Proceedings of the Twenty-First World Congress of Philosophy: Volume > 1
Gerd Gerhardt Sorge um das Wesentliche: Moralische Verpflichtung - im Blick auf Kant und Habermas
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In der Kantischen Tradition wird moralische Verbindlichkeit formal bestimmt. Kant berücksichtigt jedoch in seiner gesamten Entwicklung aber immer auch eine inhaltliche Komponente, die er glaubt formal uminterpretieren zu können. Ich versuche zu .zeigen, dass Moral in einer gestuften Reflexion zu gewinnen ist: Auf einer fundamentalen Ebene reflektiere ich auf das mir Wesentliche; Verbindlichkeit ist auf dieser Ebene nicht ohne die Motivation der Selbstsorge zu erreichen. Habermas' Trennung von ethischer Verbindlichkeit (Bereich des für mich oder uns Guten) und moralischer Verbindlichkeit (Bereich des Gerechten, des für alle Guten) greift erst auf einer höheren Stufe, wenn die fundamentale Verbindlichkeit bereits gestiftet ist. Die Sorge um das Wesentliche wird als Leben gemäß der Vernunft expliziert, die sich in verschiedenen Lebensbezügen als Autonomie, als Sachlichkeit bzw. als Achtung und Liebe artikuliert.
4. The Proceedings of the Twenty-First World Congress of Philosophy: Volume > 1
Karoly Kokai Das Kreisen um die Gerechtigkeit
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The problem of justice lies at the heart of the philosophy of jurisprudence. Then what justice does, the purpose for which a legal system exists, the central principle of jurisprudence, is to provide, for concrete cases, a basis for decisions as to what is just. In the lecture I will first of all deal with Kant's ideas about justice, as shown in his works. They can also be seen as examples of a concept of justice from a previous epoch. The magnitude of these distances will become apparent when one bears in mind what Kant meant, and in what context, when he used this concept. At the same time Kant is the thinker who is most often mentioned in the contemporary discourse on justice. This is for two reasons. Firstly, Kant's position is exemplary for that position that holds that justice is the trancendental centre of any theory of jurisprudence; secondly, Kant is seen as the most significant thinker of that epoch, which is seen as the starting point for the present: the modern European Enlightenment. Finally I would like to contrast the concept of justice which has been developed in this way with the concept that seems fitting for the concrete situation of the Istanbul Congress of 2003.
5. The Proceedings of the Twenty-First World Congress of Philosophy: Volume > 10
Anton Stengl La Mettrie und der falsche Traum der Aufklaerung
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Eine zu einheitliche Vorstellung der historischen Aufklaerung wird in diesem Text kritisiert. Um die gegensaetzlichen Strömungen dieser Epoche aufzuzeigen, wird der weitgehend unbekannte Philosoph La Mettrie vorgestellt und die negative Reaktion der bekannten Aufklaerer auf ihn. La Mettrie ging weit über die 'offizielle' Aufklaerung hinaus. Seine Analyse des Schuldgefühls und seine Ethik scheinen parallell zu zu sein. Alle Probleme der aktuellen > aufgeworfen worden.
6. The Proceedings of the Twenty-First World Congress of Philosophy: Volume > 10
Bogdan Dembiński Streit um die "Zweiweltentheorie" in der Philosophie von Plato
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In this article I analyze a traditional interpretation of Platonic philosophy, which assumes a "theory of two worlds." I try to prove that it is difficult to accept such an interpretation. If one can say that the on tic status of ideas differs from the ontic status of undefined matter (the phenomenon is always for Plato a relation, a compositum, of idea and undefined matter), one nevertheless cannot say that accepting this necessarily results in accepting two independently existing worlds. For then what would phenomena be, if they lacked the ideas that are the source of their determination; and what would ideas themselves be, if they referred to something other than the subject of their determination? Plato always opted for the existence of one world, although this world was for him ontically complex.
7. The Proceedings of the Twenty-First World Congress of Philosophy: Volume > 10
Michael Rahnfeld Carnaps Kontinuum der induktiven Methoden als präzises Beispiel für Nietzsches Doktrin der unbegrenzten Zahl möglicher Interpretationen der Welt
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Der Beitrag zeigt, dass sich Nietzsches erkenntnistheoretische Position als konventionalistisch, pluralistisch, pragmatisch und evolutionär charakterisieren lässt. In diesen wesentlichen Punkten antizipiert sie moderne Ansätze, wie am Beispiel Carnaps Induktiver Logik gezeigt wird. In der sog. CLFunktion beruhen die Behauptungen über L auf s y n t h e t i s c h - a p r i o r i s c h e n Annahmen, die den Uniformitätsgrad des Gegenstandbereiches betreffen. Diese Annahmen lassen sich als konventionelle Festsetzungen deuten, die sich nach den erzielten pragmatischen Erfolgen richten. Es ist naheliegend anzunehmen, dass sich ein adäquates L in der Praxis nach evolutionären Mechanismen herauskristallisiert. Dennoch bleibt stets ein ganzes Kontinuum möglicher konventioneller Bestimmungen von L als rationale Alternative bestehen.
8. The Proceedings of the Twenty-First World Congress of Philosophy: Volume > 11
Martha Zapata Galindo Philosophie und Politik: Nietzsches Denken und der Nationalsozialismus
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Im Folgenden werden die unterschiedlichen Nietzsche-Bilder der deutschen Philosophie skizziert und insbesondere wird nach ihrer Bedeutung im nationalsozialistischen Kontext gefragt. Dabei geht es nicht darum, festzustellen, ob Nietzsche ein "Wegbereiter" des Nationalsozialismus war oder nicht. In der Hauptsache sollen die wichtigsten Nietzsche- Interpretationen - aus den Jahren zwischen 1930 und 1945 - in konkreten politischen und gesellschaftlichen Lagen und Verhältnissen sichtbar gemacht werden. Daher werden die konkreten historischen Bedingungen, unter denen Nietzsches Denken gedeutet wurde, zum Ausgangspunkt gemacht. In diesem Vortrag wird auf die wichtigsten Schnittstellen für die Faschisierung von Nietzsches Philosophie hingewiesen. Unter Faschisierung ist eine bestimmte Reorganisation der bürgerlichen Gesellschaft zu verstehen, bei der die Parteien und Organisationen der Arbeiterbewegung ausgeschaltet und die Instanzen der Zivilgesellschaft als Apparate des Führer-Staates refunktionalisiert werden. Als ideelle Vergesellschaftungsmacht leistete die Philosophie hier ihren Beitrag zur Stabilisierung der nationalsozialistischen Herrschaft, indem sie eine zustimmende Wahrnehmung der gesellschaftlichen Verhältnisse organisierte. Gerade in dieser Richtung leistete die Nietzsche- Interpretation zwischen 1933 und 1945 einen wesentlichen Beitrag nicht nur zur Konstitution eines nationalsozialistischen Subjekts, sondern zugleich zur Reproduktion der Herrschaft.
9. The Proceedings of the Twenty-First World Congress of Philosophy: Volume > 12
Nobuyuki Kobayashi Die Kritik Heideggers an der Ästhetik und eine Andere Möglichkeit des ästhetischen Denkens
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In meinem Aufsatz möchte ich die Ästhetik auf ihre Möglichkeit hin überprüfen, eine grundlegende Theorie des „Sinnlichen" innerhalb der menschlichen kulturellen Tätigkeiten zu sein. Dieses Vorhaben werde ich damit beginnen, Heideggers Kritik an der traditionellen Ästhetik zu behandeln. Dem überlieferten Ästhetikverständnis liegt nach Heidegger offenbar diesselbe vorstellend-vergegenständlichende Denkweise zugrunde, die der ganzen abendländischen Geschichte eigen ist. Doch lässt sich nach Heidegger mittels der auf dem metaphysischen Denken basierenden Ästhetik das Wesen der Kunst niemals erschöpfend behandeln, da die Kunst als das Ins-Werk- Setzen der Wahrheit verstanden werden muss.Freilich nimmt Heidegger immer eine kritische Haltung gegenüber der sogenannte „Ästhetik" ein, aber man kann dadurch auch die Möglichkeit einer anderen erweiterten Ästhetik finden, die die anfängliche Wahrheitsfunktion der aisthesis als Wahr-nehmung ins Auge zu fassen versucht. Von diesem grundlegenden Standpunkt aus möchte ich mich mit einem gegenwärtigen Versuch des ästhetischen Denkens (Wolfgang Welsch) und mit einer nicht-europäischen traditionellen Ästhetik (Shüzö Kuki) beschäftigen.
10. The Proceedings of the Twenty-First World Congress of Philosophy: Volume > 12
Arkadiusz Chrudzimski Die Ontologie der Intentionalität (Zusammenfassung)
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Die oberflächengrammatische Form einer Beschreibung der inten-tio-nalen Beziehung (eines intentionalen Kontextes) suggeriert, daß wir es mit einer Relation zwischen dem Subjekt und dem Objekt zu tun haben. Angesichts der logischen Anomalien der intentionalen Kontexte (das Scheitern der Regel der Existenz- Gene-rali--sierung) postulieren jedoch viele Philosophen spezielle Entitäten, die den intentionalen Zugang zum eigentlichen Referenzobjekt vermitteln. Wir untersuchen drei Intentionalitätstheorien dieser Art: (i) eine Meinongsche Theorie; (ii) eine Brentanosche Theorie; und (iii) eine Repräsentationstheorie sensu stricto. Alle Theorien akzeptie-ren die These, daß die vermittelnden Entitäten nur in der Weise repräsentieren können, indem sie eine Beschreibung des (eventuellen) Referenzobjektes involvieren. Die Unterschiede zwischen ihnen betreffen drei Fragen: (i) ob zwischen den Eigenschaften, die die vermittelnden Entitäten haben, und den-jenigen, die den (eventuellen) Referenzobjekten zukommen, das Verhältnis der Identität besteht; (ii) ob die Weise, in der die Eigenschaften „gehabt" werden, in beiden Fällen die gleiche ist; und (iii) ob die Weise, in der es die betreffenden Entitäten gibt, immer ontologisch verpflichtend ist.
11. The Proceedings of the Twenty-First World Congress of Philosophy: Volume > 13
Otfried Höffe Anthropologie und Menschenrechte, Zum politischen Projekt der Moderne: Ibn Rushd Lecture
12. The Proceedings of the Twenty-First World Congress of Philosophy: Volume > 2
Sinan Özbek Überlegungen zum Rassismus in der Türkei
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Der Rassimus-Diskurs hat sich auf die fortschrittlichen kapitalistischen Länder konzentriert. Da der Rassimus kein westliches Phänomen ist, sondern eine aus der kapitalistischen Produktionsweise hervorgehende Idologie, sollte die Rassismus-Diskussion auch in Ländern, in denen sich die kapitalistische Produktionsweise erst spät etablierte, untersucht werden. Untersuchungen zu Rassismus in der Türkei zeigen, dass der Rassismus in der Türkei besonderheit aufzeigt, die nicht mit denen der westlichen Länder vergleichbar sind. Deswegen werde ich in meinem Referat den Rassismus in der Türkei vor dem Hintergrund einer Auseinandersetzung mit Albert Memmi, Robert Miles, Immanuel Wallerstein, Etienne Balibar, etc. erlaütern.
13. The Proceedings of the Twenty-First World Congress of Philosophy: Volume > 2
Teresa Orozco Paradigmenwechsel in der Humanismusdiskussion 1918-1950
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Mit dem Humanismus- Begriff artikulieren sich widersprüchliche bis entgegengesetzte Positionen, ohne ihn dadurch zu zersprengen. An der Humanismus-Diskussion vor 1933 und nach 1945 in Deutschland kann beobachtet werden, wie sich Bildungshumanisten in den Nazismus hineinarbeiten, welche Wandlungen sie in den internen Zäsuren des NS durchmachen und wie sie in der Nachkriegszeit in den Kampf um kulturelle Hegemonie eingreifen. Sowohl die Optik der Nachkriegforschung, wie die Transformation des Humanismus in der Weimarer Republik die zur, Selbstgleichschaltung' der Klassische Philologie 1933 führte und die symptomatische Renaissance des Humboldtschen Ideals nach 1945 werden im Vortrag an exemplarischen Beispiele erläutert.
14. The Proceedings of the Twenty-First World Congress of Philosophy: Volume > 2
Stefan Gandler Warum schaut der Engel der Geschichte zurück?: Zu Walter Benjamins Thesen über den Begriff der Geschichte
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Der Engel der Geschichte in den Thesen von Walter Benjamin schaut zurück aus drei Gründen: Erstens, weil es epistemologisch unvermeidbar und notwendig ist, zurück zu schauen, oder: Der Engel kann nicht nach vorne sehen und muß nach hinten blicken, um seine Umgebung zu verstehen. Zweitens, weil ontologisch die Zukunft nicht existiert, da der .Fortschritt' keine Tendenz einer Annäherung an eine bessere Zukunft, sondern das Sich-Entfernen vom verlorenen Paradies ist, und weil die Zeit als etwas homogenes, das automatisch voranschreitet, nicht existiert. Drittens, weil es politisch notwendig ist, nach hinten zu schauen, weil es nicht möglich ist, dem Nationalsozialismus Einhalt zu bieten, wenn er als Ausnahmezustand, der einem unvermeidbaren Fortschritt diametral gegenübersteht, verstanden wird.
15. The Proceedings of the Twenty-First World Congress of Philosophy: Volume > 3
Neval Oğan Balkiz Die Frage nach einer Reorganisation der Vereinten Nationen im Lichte der neuen Herausforderung für kulturelle Balance im Bereich Menschenrechte
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Die UNO soll die Menschenrechte schützen, aber kann sie das wirklich? Ist sie als Organisation dafür verantwortlich? Dürfen die Vereinten Nationen Menschenrechte mit Gewalt erzwingen? Ist Druck wichtiger als Dialog? Sind ihre Strukturen nicht überholt und müssten verändert werden, damit sie effektiver arbeiten kann?? Allen Mängeln zum Trotz waren die Vereinten Nationen seit ihrer Gründung als einziges universelles Forum der Völker immer wieder unentbehrlich. Stets zum Gespräch miteinander gezwungen zu sein, erwies sich zumal während der Höhepunkte des Kalten Krieges oft als entscheidende Hilfe. Immerhin gab es eine von der UNO betriebene innovative Fortentwicklung des internationalen Rechts. Solchen Verdiensten und Erfolgen stehen zweifellos Fehlleistungen und Rückschläge gegenüber, die keinesfalls unbeachtet bleiben dürfen. Ihre neben der Friedenssicherung wichtigste Aufgabe, nämlich den sozialen Fortschritt und einen besseren Lebensstandard in grö erer Freiheit zu fördern und natürlich die Menschenrechte zu schützen, konnte die UNO bisher nicht erfüllen. Der Unterschied zwischen Arm und Reich hat sich seit 1960 nicht etwa verringert, sondern ungefähr verdoppelt. Das reichste Fünftel der Menschheit verfügt heute über mehr als vier Fünftel des Weltsozialprodukts. Für das ärmste Fünftel bleiben gerade einmal 1,4%. Der ökologisch unhaltbare Lebensstil vor allem der groen Industriegesellschaften hat sich nur unwesentlich verändert. Noch immer fehlt in den reichen Ländern des Nordens die Einsicht , dass Armut und Umweltzerstörung im Süden kein fernes,sondern ein gemeinsames globales Problem darstellt. Die Gro en Mächte des Sicherheitsrates und die Mitglieder der G 8 lenken über die Weltbank, den internationalen Währungsfonds und die Welthandelsorganisation die Weltwirtschaft zu wenig im Dienste der Uberwindung der globalen Unterentwicklung, dagegen immer wieder zum eigenen Nutzen. Das Wichtigste ist und bleibt es, Sicherheit nicht mehr allein militärisch zu definieren. Auch die wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und ökologischen Ursachen von Konflikten müssen an der Wurzel behandelt werden. Am dringenden Reformbedarf der Vereinten Nationen kann nicht ernsthaft bezweifelt werden. Ziel der Reform ist , die menschliche Sicherheit in einem umfassenden, nicht nur militärischen Sinn zu begreifen. Aber ist die UNO überhaupt reformierbar? Diese Frage richtet sich zuallererst an die Regierungen der UN-Mitglieder. Die Frage ist nur, wie entwickelt sich eine solche Identität auf internationaler Ebene? Wie entsteht, wächst und gedeiht so etwas wie eine überstaatlichen Gemeinschaft, die auf der Universalität der Menschenrechte begründet ist? Wie lernen, uns nicht nur als Angehörige unseres Volks, unserer Familie, unserer Gemeinde, unserer Region, unseres Berufsverbands, unserer politischen Partei, unseres Staats, unserer überstaatlichen Gemeinschaft zu definieren , sondern vor allem als Angehörige der Menschheit, , als konkrete menschliche Wesen, deren individuelles Sein seinen primären natürlichen und zugleich universalen Ausdruck in seinem Status als Bürger findet. Kann dies, wie es Immanuel Kant bereits vor über 200 Jahren sah, mit Hilfe eines weltweiten "Weltbürgerrecht" verwirklicht werden? Muss dieses Weltbürgerrecht -wie Jürgen Habermas behauptet hat- die einzelnen Regierungen binden? Und muss diese überstaatliche Gemeinschaft ihre Mitglieder unter Androhung von Sanktionen zu rechtmä_igem Verhalten zumindest anhalten können?
16. The Proceedings of the Twenty-First World Congress of Philosophy: Volume > 3
Hans-Eberhard Heyke Über die Würde des Menschen
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Seit alters her wird die Würde des Menschen von den Philosophen erörtert, jedoch in der Gegenwart hat sie noch eine besondere Bedeutung nicht nur bei den Fragen der Menschenrechte sondern auch in der Medizin gewonnen. Klassische Philosophie, Rechtsphilosophie, Medizinethik, Bioethik sind betroffen, doch es ist zu fragen, ob nicht auch der Chemie und die Chemische Ethik, deren Grundzüge ich auch auf dem XX. Weltkongreß für Philosophie in Boston vorzutragen Gelegenheit hatte, in die Untersuchung einbezogen werden müssen. Es ist nämlich die Möglichkeit zu bedenken, daß die Würde des Menschen auch in der chemischen Struktur des Menschen verankert ist und so mit auf Gen chemischen Weg weitervererbt werden könnte.
17. The Proceedings of the Twenty-First World Congress of Philosophy: Volume > 5
Małgorzata Szcześniak Die Philosophie der Kosmologie über die Ewigkeit der Welt
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In meinem Referat werde ich an das philosophische Problem der Ewigkeit der Welt anknüpfen. Wenn wir dieses Problem philosophisch betrachten, müssen wir uns auf das frühe Stadium der Weltevolution ziehen, d.h. auf das „präphysische" Stadium. Als „präphysisch" bezeichne ich das Frühstadium der kosmologischen Evolution, das angesichts der damaligen extremen Verhältnisse durch begründete fundamentale Theorien der gegenwärtigen Physik, wie Quantenmechanik, Relativitätstheorie oder Thermodynamik nicht zu beschreiben oder zu erklären ist. Heute kennen wir nur die obere Zeitgrenze dieses Stadiums, die sog. Plancksche Schwelle, die 10~^3 s. beträgt. Das Hauptproblem im Prozess der ontologischen Charakteristik dieses Stadiums ist der Versuch, seine untere Zeitgrenze festzulegen. Mit diesem Problem ist nämlich eine der ältesten und viel diskutierten philosphischen Fragen verbunden, und zwar das Problem der Ewigkeit der Welt und : (1) das Problem des Zeitraums des „präphysischen" Stadiums (es geht um das Festlegen seiner unteren Zeitgrenze - dauerte es unendlich lang oder aber nur einen winzigen Sekundenteil?), (2) ist der Anfang der Zeit (falls es ihn gäbe) zugleich der Anfang der Welt?, (3) bildet der Grosse Ausbruch den absoluten Anfang der Welt oder nur den Anfang eines von mehreren Stadien in ihrer Evolution, (4) setzt die Möglichkeit des absoluten Anfangs der Welt unbedingt die Kreation Gottes voraus (die supranatürliche Kreation) oder läbt eine Möglichkeit die Entstehung der Welt auf eine natürliche Weise zu (die natürliche Kreation), (5) das Problem des „sonderlichen" Moments. Alle diese Fragen, stelle ich auf der Basis der neueren Errungenschaften der Physik und Kosmologie dar.
18. The Proceedings of the Twenty-First World Congress of Philosophy: Volume > 7
Wolfdietrich Schmied-Kowarzik Verstehen und Verständigung - Ein Grundlagenproblem der Kulturphilosophie
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Die globalisierende Vermarktung der Welt bedroht auch die kulturelle Selbstbestimmung der Völker. Daher haben wir uns erneut und verstärkt dem Problem des Miteinanders verschiedener Kulturen zu stellen. Die Auseinandersetzung mit fremden Kulturen hat sich zunächst um das Problem des VerStehens bemüht, wie es methodologisch von der Ethnologie oder Cultural Anthropology entwickelt worden ist. Aber diesem Verstehen haftet grundsätzlich eine Einseitigkeit an. Daher wurde von politikwissenschaftlicher Seite eine Disziplin der Xenologie eingeklagt, die von einer mehrpoligen Verständigung der Kulturen untereinander ausgeht. Darüber hinaus versteht sich die neu etablierte Fragestellung der Interkulturellen Philosophie von vornherein sowohl der Doppelaufgabe von Verstehen und Verständigung verpflichtet als auch in die Schnittstelle von theoretischer und praktischer Philosophie gestellt. Die Interkulturelle Philosophie ist nicht nur ein neues Arbeitsfeld der Philosophie, sondern sie fordert vom Philosophieren insgesamt auch ein neues, sich verschiedenen kulturellen Sinnfragen öffnendes Selbstverständnis. Der Vernunftbegriff, den sie dabei zugrundelegt, ist keine vorausbestimmte Gegebenheit, sondern eine menschheitliche Aufgabe, die sie in inter kultureller Kommunikation bezogen auf ein sittliches Menschsein in der Welt zu vollbringen hat.
19. The Proceedings of the Twenty-First World Congress of Philosophy: Volume > 7
Alexander von Pechmann Ist die Philosophie selbst ein Weltproblem?
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Die Einwände, die sich hinsichtlich der Weltprobleme gegen die Philosophie richten, sind vor allem, dass sie in ihrer Ausrichtung auf die eigenen Themen die Gegenwartsprobleme nicht zur Kenntnis nimmt, oder dass ihre Begrifflichkeit zu abstrakt ist, um der Komplexität der Wirklichkeit zu genügen. Aus diesen Gründen wird von der Philosophie ein Realitätsbezug und der Kontakt mit der Gegenwart gefordert, um zur Lösung der Weltprobleme beizutragen. Im Unterschied zu diesen Einwänden behandelt der Beitrag die Frage, ob die Philosophie selbst als ein Weltproblem beurteilt werden kann. Hierfür scheinen drei Grundannahmen erforderlich zu sein: 1. der "Motor" der gegenwärtigen Globalisierungsprozesse ist die westliche Kultur, die sowohl auf den modernen Naturwissenschaften als auch auf der Idee der Menschenrechte gegründet ist. Sie erzeugt zum einen durch ihre Dynamik Probleme als Weltprobleme und definiert zum anderen, was als Weltproblem zu betrachten ist. - 2. Die Philosophie ist das geistige Fundament und der ideelle Ausdruck der westlichen Kultur. Versteht man unter "Philosophie" die institutionalisierte Praxis des Reflektierens und Begründens, die ihren Maßstab an der Rationalität hat, so ist sie hinsichtlich ihrer Genese und ihrer Geltung untrennbar mit der westlichen Kultur verbunden. - 3. Die Praxis der Philosophie, ihre Standards auf Prinzipien der Rationalität zu gründen, stimmt nicht mit den Bedingungen und Strukturen des irdischen Lebens überein. Diese Annahme widerspricht sowohl einer idealistischen Ontologie, die die natürlichen Vorgänge in rationalen Strukturen gegründet sieht, als auch einer materialistischen, die Begriffe und Theorien als Abbilder natürlicher Strukturen interpretiert. Unter diesen drei Bedingungen ist die Philosophie nicht nur mit den Weltproblemen konfrontiert, sondern muss selbst als ein Weltproblem angesehen werden.
20. The Proceedings of the Twenty-First World Congress of Philosophy: Volume > 8
Ludwig Nagl Lyotard über die "invocatio Dei" in den Confessiones des Augustinus
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In his posthumously published book The Confession of Augustine, J.F. Lyotard reconstructs St. Augustine's invocatio: his "move upward" towards the absolute. The paper deals with three segments of Lyotard's text that interpret St. Augustine's method of letting the voice of the invoked "speak within me"; his attempt to progress to the atemporal "at the umbilical" of temporal experience; and his reading of the caller and the called as (partially) identical. Two aspects of Lyotard's interpretation are pointed out as problematic: his thesis of the "silent" absolute "You"; and his assumption, that invocatio takes pleasure in a "radical heteronomous" subordination "under the law of an unknown master."