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Fichte-Studien

Buddhistische Wissenstheorie und Transzendentalphilosophie

Volume 46, 2018
Das Nichts und das Sein

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teil 1: das nichts und das sein: buddhistische wissenstheorie und transzendentalphilosophie
11. Fichte-Studien: Volume > 46
Kunihiko Nagasawa Wissen und Leben im Selbstsein
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When, after all doubts and despair not only in others, but in oneself, philosophy remains as the only possibility, then this path to truth can be no other than through the I that I am. „Whoever philosophizes, speaks of selfhood; those who do not, do not philosophize.“ (Jaspers) After all despair only selfhood remains for me. Being oneself is the reason of all despair and also the reason of all hope. All philosophy must begin here. The philosopher who has explored the problem of selfhood in the intellectual tradion of the West most fundamentally is J.G. Fichte. In the East we find he deepest investigation of selfhood in Zen-Buddhisms, particularly in the teachings of Zen-master Dogen (1200–1253). Both refer selfhood essentially to action: Fichte on „ought“ and striving, and Dogen on meditation, and thus they try to conceive the essence of selfhood. Here the basic relationship of knowledge and life and their relationship is examined for selfhood, and thus the relationship between philosophy and life as well as the problem of what is philosophy.Wenn nach allem Zweifel und aller Verzweifelung, nicht nur am Anderen, sondern auch an einem selbst, nur noch die Moglichkeit des Philosophierens bleibt, kann dieser Weg zur Wahrheit kein anderer sein als der durch das Ich, das ich bin. „Wer philosophiert, redet von Selbstsein; wer das nicht tut, philosophiert auch nicht.“ (Jaspers). Nach aller Verzweifelung bleibt fur mich nur das Ich selbst. Das Selbstsein ist der Grund aller Verzweiflung und zugleich der Grund aller Hoffnung. Alle Philosophie muss hier beginnen. Der Philosoph, der in der geistigen Tradition des Westens das Problem des Selbstseins am grundlegendsten erortert hat, ist J.G. Fichte. In der des Ostens findet man die tiefste Erorterung des Selbstseins im Zen-Buddhismus, insbesonders beim Zenmeister Dogen (1200–1253). Beide beziehen das Selbstsein wesentlich auf das Handeln: Fichte auf das Sollen oder Streben und Dogen auf das Uben; und sie versuchen dadurch das Wesen des Selbstseins zu erfassen. Hier soll die Grundbeziehung von Wissen und Leben und ihr Verhaltnis zum Selbstsein untersucht und damit die Beziehung von Philosophie und Leben geklart werden und das Problem, was Philosophie ist.
12. Fichte-Studien: Volume > 46
Katsuki Hayashi Leib und Handeln im Buddhismus: Erlosung durch Selbstgewahrung
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Subject matter is the significance of the Buddhist insight into Self-Awareness of acting humans. It will be shown what kind of relation Self-Awareness has to Relief in Buddhism. Section 1 demonstrates the conveniency of the “five aggregate” theory of original Buddhism for the phenomenological constitutional analysis, disclosing the body as act. Section 2 analyses the relation between act and body on the basis of the Yogachara doctrin. Section 3 pursues the determining ground of Seeing as based in Self-Awareness and the “Determination of Nothingness” as conceived by Kitaro Nishida. Finally, the Buddhist concept of “Nothingness” will be elucidated as Self-Negation of the Absolute, i.e. by the work of the Buddha-Nature of the Mercy.Zweck des Aufsatzes ist, die Bedeutung der buddhistischen Einsicht in die leibliche Selbstgewahrung des handelnden Menschen phänomenologisch zu erhellen. „Leiblich“ bedeutet hier nicht „körperlich“. Vielmehr zeigt sich im Leiblichen die „Beschränkung meines praktischen Vermögens“, wie sie Fichte in der Zweiten Einleitung in die Wissenschaftslehre erörtert.1 Dort heisst es: ,,... meine Beschränktheit in ihrer Bestimmtheit offenbart sich in Beschränkung meines praktischen Vermögens. [...], und die unmittelbare Wahrnehmung derselben ist ein Gefühl [...]“. In diesem Gefühl ,,fühle“ ich ,,mich so und so bestimmt“. Der Aufsatz zeigt, dass sich die unmittelbare Wahrnehmung, die Fichte ,,Gefühl“ nennt, im Buddhismus in die Selbstgewahrung der Endlichkeit meines Daseins vertieft, und dass diese Selbstgewahrung mit der buddhistischen Erlösung untrennbar verknüpft ist.
13. Fichte-Studien: Volume > 46
Helmut Girndt Der Weg des Wissens, Vijnānavāda und die Transzendentalphilosophie Fichtes
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Originating in the north-west of India during the fourth century B.C. the Vijñānavāda oder Yogācāra school of thought vanished from India together with Buddhism around the year 100. At 640 A.D. the great chinese pilgrim and scholar Hsüan-tsang translated the doctrine of Yogācāra as Cheng-weih-shih-lun, Treatise on the cognition that everything is knowledge only. The doctrine entails essential parallels to transzendental philosophy and even surpasses it in some essential details regarding Fichtes Ethics and Philosophy of Religion. The present paper is the first one comparing the most important philosophical doctrine of Asia from the point of view of transzendental philosophy.Die aus Indien stammende Vijnānavāda- oder Yogācāra-Lehre, die im 1. Jahrhundert mit dem Buddhismus aus Indien verschwand, wurde von Hsüan-tsang (596 – 664) nach China gebracht und dort bekannt als „Abhandlung über das Erreichen der Erkenntnis, daß alles nur Erkenntnis ist“ (Cheng-weih-shih-lun). Die Lehre weist weitgehende Gemeinsamkeiten mit der Transzendentalphilosophie auf und geht, was die Begründung von Ethik und Religionsphilosophie betrifft, in wesentlichen Einzelheiten über Fichtes Erkenntnisse hinaus. Das vorliegende Essay ist das erste, das die aus transzendentalphilosophischer Sicht bedeutendste Lehre Asiens und ihre weitgehende Übereinstimmung mit der Theorie Fichtes zum Thema hat.
14. Fichte-Studien: Volume > 46
Kogaku Arifuku Buddhistische Unbestandigkeitssicht und Nietzsches Nihilismus: Gemeinsamkeiten und Verschiedenheiten
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Impermanence is one of the fundamental buddhist principles and of Japan’s typical view on life and world as well. The paper attempts to clear up commonalities and differences between the buddhist view of Impermanence and of Nietzsche’s Nihilism, and to compare the buddhist view with that of Nietzsche. The paper contains five chapters. The first argues for peculiarities of the buddhist, the second for Nietzsche’s view of Impermanence by looking at their common principle of Negation. The third and forth chapter attempts to find and emphasize the superiority of the principle of Negation as transition and development from the negative and passive standpoint to the positive and active. The fifth chapter elucidates essential characteristics of the buddhist view of Impermanence and Nietzsche’s Nihilism, by showing how their principles of Negation differ from each other regarding Naturality and Artificiality, Temporality and Historicity.Unbeständigkeit ist eines der Grundprinzipien des Buddhismus und der typischen Welt- und Lebensanschauung der Japaner. Der Aufsatz versucht, Gemeinsamkeiten und Verschiedenheiten zwischen der buddhistischen Unbeständigkeitssicht und dem Nihilismus Nietzsches herauszustellen, und die buddhistische Sicht mit der Nietzsches zu vergleichen. Der vorliegende Aufsatz gliedert sich in fünf Kapitel. Im ersten werden die Eigentümlichkeiten der buddhistischen Sicht der Unbeständigkeit und im zweiten die des Nihilismus von Nietzsche erörtert, wobei ihr gemeinsames Prinzip der Negation verglichen wird. Das dritte und vierte Kapitel versucht die Überlegenheit des Negationsprinzips zu begründen und hervorzuheben als Übergang und Entwicklung vom negativen und passiven Standpunkt zum positiven und aktiven. Das fünfte Kapitel erhellt die wesentlichen Grundzüge der buddhistischen Unbeständigkeitssicht und des Nihilismus Nietzsches mit dem Aufweis, wie sich das Prinzip der Negation beider Standpunkten im Hinblick auf Natürlichkeit und Künstlichkeit, Zeitlichkeit und Geschichtlichkeit voneinander unterscheidet.
teil 2: beiträge zur theoretischen philosophie
15. Fichte-Studien: Volume > 46
Luis Fellipe Garcia Knowing, Creating and Teaching: Fichte’s Conception of Philosophy as Wissenschaftslehre
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Independently of the discussions on the development of Fichte’s philosophy, there is something that does not seem to change throughout the more than a dozen presentations of his doctrine, namely, his constant concern with the meaning of philosophy. This concern is such a structuring one for Fichte that he even decides to replace the very name of “philosophy” by another one, less heavy in meaning and better suited to elucidate the nature of this particular activity that constitutes his own project. He calls it the Wissenschaftslehre. In this term created by Fichte three verbs can be found: wissen (to know), schaffen (to create) and lehren (to teach) – we would like to propose that Fichte’s conception of philosophy can be brought out as the orchestrated action of those three activities: knowing, creating and teaching. The point here being not to say that Fichte had the idea in mind of composing these three verbs (wissen, schaffen, lehren) when he created the term Wissenschaftslehre, but only that those terms offer useful landmarks for the exploration of Fichte’s philosophical landscape.Unabhängig von den Diskussionen über die Entwicklung der Philosophie Fichtes gibt es etwas, das sich in den zahlreichen Darstellungen seiner Lehre nicht zu ändern scheint, nämlich seine ständige Auseinandersetzung mit der Bedeutung der Philosophie selbst. Diese Sorge ist für Fichte so entscheidend, dass er sogar beschließt, den Namen Philosophie durch einen anderen zu ersetzen, weniger schwer in der Bedeutung und nach ihm besser geeignet, das Wesen dieser besonderen Tätigkeit, die sein eigenes Projekt zum Ausdruck bringt, aufzuklären. Er nennt es die „Wissenschaftslehre“. In diesem von Fichte geschaffenen Begriff lassen sich drei Verben auffinden: Wissen, Schaffen und Lehren. Im vorliegenden Aufsatz möchte ich vorschlagen, dass Fichtes Auffassung von Philosophie als die orchestrierte Handlung dieser drei Tätigkeiten angesehen werden kann: Wissen, Schaffen und Lehren. Ich will damit nicht behaupten, dass Fichte die explizierte Absicht hatte, diese drei Verben zu komponieren als er den Begriff „Wissenschaftslehre“ schuf, sondern nur, dass diese Begriffe nützliche Anhaltspunkte für die Erforschung von Fichtes philosophischer Landschaft anbieten.
16. Fichte-Studien: Volume > 46
Valentin Pluder Reines und Absolutes Wissen in der Wissenschaftslehre 1804-II
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Fichte claims that it is a severe misinterpretation of his philosophy if one understands it as an absolutization of thinking or consciousness. Even more misguided is the assumption that this special thinking or consciousness can be achieved by abstracting from all empirical evidence. Nevertheless the term ‚pure knowledge‘ is of importance within the WL and it means precisely a formal knowledge which has been cleaned from all empirical contents. Therefore, Fichte’s claim shall be examined by contrasting the pure knowledge with the absolute knowledge in the WL 1804-II. The hypothesis here followed is that no pure entity like the pure knowledge can be found at the head of the system of the WL 1804. The highest point within the realm of thought, meaning the first entity of knowledge, is in fact the absolute knowledge, which differs essentially from the pure knowledge.Fichte beteuert, dass es eine schwere Fehlinterpretation seiner Philosophie sei, wenn man sie als Verabsolutierung des Denkens oder des Bewusstseins verstünde. Dies gilt umso mehr, wenn angenommen wird, dass dieses Denken zudem lediglich aus der Abstraktion von allem Empirischen und auf Grund dieses vermeintlich reinigenden Abstraktionsprozesses entstanden ist. Dennoch spielt das reine Wissen eine zentrale Rolle in der WL. Entsprechend soll Fichtes Beteuerung runtergebrochen auf das Verhältnis von reinem Wissen und Absolutem Wissen in der zweiten Vorlesung zur Wissenschaftslehre aus dem Jahr 1804 überprüft werden. Die hier vertretene These lautet: Nicht eine reine Instanz, hier konkret: nicht das reine Wissen, ist das Höchste in der Wissenschaftslehre 1804. Das denkbar Höchste, bzw. die erste Instanz innerhalb des Wissens, ist vielmehr das Absolute Wissen. Und dieses ist – darauf kommt es an – wesentlich unterschieden von dem reinen Wissen.
17. Fichte-Studien: Volume > 46
Michael Lewin Ist die theoretische Vernunft selbst eine Idee?: Fichtes Umgang mit Kantischen Ideen um 1810
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The object of this study is to examine the way in which the later Fichte handles Kantian ideas. In the first part Kant’s theory of principles will be investigated in order to find out how many types of ideas he uses. In the second part the ideas will be assigned to the basic moments of Fichte’s Outlines 1810. Not only the transcendental concepts and postulates play a key role in the Science of Knowledge, but also the methodological ideas of a theoretical and practical reason. While the latter are mentioned by Kant only in passing, in Fichte’s later works they constitute a pivotal part in the reflexions about the faculty of reason.Es soll untersucht werden, wie der späte Fichte mit den Kantischen Ideen umgeht. Der erste Teil widmet sich der Kantischen Prinzipienlehre und prüft, wie viele Arten sich überhaupt unterscheiden lassen. Im zweiten Teil folgt die Zuordnung der einzelnen Ideen zu den Grundmomentenin Fichtes Umriss von 1810. Dort werden sich nicht nur die transzendentalen Vernunftbegriffe und Postulate wiederfinden, sondern auch die methodologischen Ideen einer theoretischen und praktischen Vernunft. Während die letzteren bei Kant eher am Rande erwähnt werden, sind sie bei Fichte ein expliziter Bestandteil der Reflexion über das Vernunftvermögen.
18. Fichte-Studien: Volume > 46
Johannes Stoffers Fichte uber das Ich: Das Individuum und der uberindividuelle Standpunkt in den Berliner Vorlesungen uber die „Thatsachen des Bewustseyns“
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The inquiry analyses how Fichte rejects the reproach of founding the Wissenschaftslehre from the perspective of the individual I-subject in his lectures about the facts of consciousness (Tatsachen des Bewusstseins), held in Berlin between 1810 and 1813. Instead it becomes clear that according to Fichte, the crucial instance of “I” has to be considered as transindividual. Its individualisation matters only as far as causal effects on material bound reality are concerned, while the individuals join again the absolute life’s unity by speculative thought and moral acting.Der Beitrag untersucht, wie Fichte in seinen Berliner Vorlesungen über die Tatsachen des Bewusstseins der Jahre 1810 bis 1813 den Vorwurf zurückweist, von einem individuellen Ich-Subjekt aus die Wissenschaftslehre zu begründen. Statt dessen wird deutlich, dass die entscheidende Ich-Instanz Fichte zufolge überindividuell verstanden werden muss. Ihre Individualisierung ist nur mit Blick auf das kausale Wirken in der materiellen Wirklichkeit von Bedeutung, während die Individuen im spekulativen Denken und im sittlichen Handeln wieder zur Einheit des absoluten Lebens zurückfinden.
19. Fichte-Studien: Volume > 46
Saša Josifović Lag Henrich falsch?: Eine Fichte-konforme Interpretation von Holderlins „Urteil und Sein“
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Hölderlin’s „Urteil und Sein“ is certainly one of the most intensively discussed fragments in German Idealism. Since Dieter Henrich’s influential interpretation from 1965 it is firmly believed that Urteil und Sein represents a key reference for a unique and „courageous attack“ on Fichte’s principle of philosophy, the „Ich“ of the intellectual intuition. According to Henrich and his followers, Hölderlin argues that the principle of philosophy ought to be „Sein“ instead of „Ich“. In contrast to Henrich, I believe that Urteil und Sein does not contain any kind of critical remarks on Fichte’s philosophy at all. To follow my argumentation, it is only required to avoid the confusion between the content of the intellectual intuition („Ich“) and self-consciousness („Ich bin Ich“).Hölderlins Fragment Urteil und Sein zählt zu den bedeutendsten Dokumenten der klassischen deutschen Philosophie und ist seit Henrichs wirkungsmächtiger Interpretation 1965/66 von nahezu allen namhaften deutschen Idealismusforschern Henrichkonform interpretiert worden. Es gilt als einmalige Referenz für eine ebenso einmalige Kritik am Subjekt als Prinzip der Philosophie – namentlich an Fichtes Prinzip. In diesem Diskussionsbeitrag werfe ich die Frage auf, ob dies wirklich der Fall ist, und vertrete die These, dass in Urteil und Sein keinerlei Kritik an Fichtes Philosophie nachweisbar ist. Meine Argumentation beruht auf der Unterscheidung zwischen dem „Ich“ als gedanklichen Gehalt der intellektuellen Anschauung und dem Selbstbewusstsein als Ausdruck der reflexiven Gewahrwerdens seiner selbst im Bewusstsein, nämlich „Ich bin Ich“.